
Kapitel 1
Das lärmende Durcheinander schien außer Kontrolle zu geraten, als die Menschenmenge sich durch den Vergnügungspark in der Randzone von Baltimore drängte. Die Sommernacht war heiß, und beinahe alle Menschen hatten schweißgebadete Gesichter, außer denen, die schreiend auf der Berg- und Talbahn in die Tiefe sausten, oder denen, die kreischend in Torpedoschlitten die schmalen, gewundenen Wasserläufe hinabjagten.
Die grellen, hektisch blinkenden Leuchtreklamen entlang des Mittelweges wurden von krächzenden Lauten emphatischer Musik begleitet, die aus zahllosen Lautsprechern dröhnte — Getragenes in presto und Märsche prestissimo. Budenverkäufer überschrien den Lärm und priesen in immer wiederkehrenden Sprüchen ihre Waren an. Vereinzelte Explosionen erhellten die Dunkelheit, wobei die Feuerwerkskörper in Millionen Funken auf einen nahe gelegenen See herabregneten. Leuchtkugeln zerbarsten in weiten Bögen von blendendem Licht.
Eine Reihe von Haut-den-Lukas-Geräten zog die Männer an, die mit verzerrtem Gesicht und heraustretenden Halsadern wütend immer wieder ihre Männlichkeit beweisen wollten, indem sie mit schweren Holzhämmern auf einen Bolzen schlugen; doch oft genug erreichten die roten Klöppel nicht den Gong. Gegenüber rammten die Leute auf dem Autoscooter unter drohendem Gebrüll ihre Nachbarfahrzeuge, wobei jede gelungene Attacke ein Triumph der Aggression war und jeder Teilnehmer sich wie ein Kinostar fühlte, der allein gegen den Rest der Welt kämpft: Revolverkampf im O. K. Corral, um 21.27 Uhr, ein Kampf ohne Sinn und Verstand.
Ein Stück weiter stand ein Monument für den gewaltsamen Tod, eine Schießgalerie, die nur wenig Ähnlichkeit mit den
Schießbuden auf Jahrmärkten und ländlichen Volksfesten hatte. Es war vielmehr ein Mikrokosmos des tödlichsten Arsenals an modernen Waffen.
